Watson: Zürcher Studie zeigt, wie LSD im Gehirn Relevanz erzeugt

Forschende der Uni Zürich haben herausgefunden, wie das Halluzinogen LSD das Gehirn dazu bringt, bestimmten Dingen und Erlebnissen mehr Relevanz beizumessen als normalerweise. Die Erkenntnis könnte auch helfen, psychische Krankheiten besser zu verstehen.

Ein Forscherteam der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich hat untersucht, wie das Gehirn Erlebtem Bedeutung zuordnet und wie sich dieser Prozess unter LSD verändert. Dabei stiessen die Forschenden auf die zentrale Rolle von einem bestimmten Typ von Andockstellen für den Botenstoff Serotonin: den sogenannten Serotonin-2A-Rezeptor. Das teilte die Universität Zürich am Donnerstag mit.

Diese Andockstellen stimuliert LSD und verändert so die Bedeutungswahrnehmung, wie die Forschenden im Fachblatt «Current Biology» berichten. Für die Studie liessen Katrin Preller, Franz Vollenweider und ihre Kollegen 22 Studienteilnehmer Musikstücke bewerten.

 

Watson

Wer hat's erfunden? Genau, ein Schweizer: Albert Hofmann (1906 - 2008) entdeckte in Basel die Wirkung von LSD. Bild: KEYSTONE   -   watson (PDF, 1318 KB)

 

Unbedeutendes wird bedeutungsvoll

Vor Beginn des Versuchs kategorisierten die Teilnehmenden 30 Musikstücke nach der persönlichen Bedeutung, die sie ihnen beimassen. Während mehrerer Sitzungen für das Experiment sollten sie die gleichen Stücke noch einmal bewerten - mal unter Einfluss von LSD, mal nur nach Einnahme eines Scheinmedikaments (Placebo).

«Vorher als unbedeutend klassifizierte Musikstücke wurden unter LSD plötzlich zu persönlich bedeutenden Musikstücken», fasste Preller das Ergebnis gemäss der Mitteilung zusammen. Damit scheine das Rauschmittel genau auf das Netzwerk einzuwirken, das auch bei einigen psychischen Erkrankungen so verändert ist, dass Dingen eine überhöhte Bedeutung beigemessen werden. Beispielsweise bei Phobien, Depressionen oder Sucht ist das der Fall.

Dass dabei die Serotonin-2A-Rezeptoren eine Hauptrolle spielen, konnten die Wissenschaftler mit Medikamenten beweisen, die eben diese Andockstellen blockieren. Bei einer der Versuchsdurchläufe verabreichten sie den Probanden vor der Einnahme von LSD diese blockierenden Wirkstoffe. Daraufhin blieb das Bedeutungserleben normal. Ebenso blieben alle weiteren sonst durch LSD ausgelösten psychischen Veränderungen aus.

Überraschende Schlüsselrolle

Dass sich die Wirkung des Rauschmittels allein durch Blockade der Serotonin-2A-Rezeptoren aufheben liess, überraschte die Forschenden, «denn aus Studien mit Tieren ging hervor, dass LSD auch weitere Rezeptoren wie das Dopamin D2-System stimuliert», so Preller. Bisher ging man davon aus, dass letzteres für die euphorisierende Wirkung von LSD verantwortlich sei.

Ausserdem wurde bislang vermutet, dass mehrere Rezeptorsysteme am Bedeutungserleben beteiligt seien. Die neuen Ergebnisse zeigten jedoch, dass die Serotonin-2A-Rezeptoren offenbar eine Schlüsselrolle spielten, schrieb die Uni Zürich.

Diese neuen Erkenntnisse darüber, wie das Gehirn Relevanz generiert, könnten zur Entwicklung neuer Wirkstoffe beitragen, um psychisch Erkrankten mit verändertem Bedeutungserleben zu helfen.

(sda)